Friday, 3. April 2009

*Getestet: Zeitschrift Effilee

© courtesy to Effilee GmbH
Vor einiger Zeit habe ich mir die aktuelle Ausgabe des Magazins Effilee vorgeknöpft. Abgesehen vom Internetportal Effilee, welches mir sehr sympatisch ist, hatte ich keine rechte Vorstellung, was mich in der Print-Ausgabe erwarten würde.

Neugierig geworden war ich durch Herr Paulsens Bericht (Blog NutriCulinary) über den von ihm verfassten Maultaschen-Beitrag in Heft Numero 3. Bei seiner Art zu schreiben, musste der Artikel einfach genial sein. Weitere appetitanregende Inhaltsangaben fand ich auf der Effilee-Website und schnell war der Entschluss gereift, dieses Magazin zu testen. Gesagt getan...

In Größe und Seitenumfang, sowie Top-Qualität der Aufnahmen entsprach das Heft genau meinen Erwartungen.
Cover-Gestaltung und Inhalt dagegen haben mich überrascht. Ich hatte es hier nicht mit einem auf Hochglanz polierten Heft voller mit Kleister und Farbe aufgehübschter Food-Fotos nebst zugehörigen Rezepten zu tun, sondern mit einem Leseheft, welches aus verschiedensten Blickwinkeln Kulinarisches beleuchtet. Die Beiträge reichten von philosophisch-melancholischen Betrachtungen verlassener kulinarischer Schauplätze, über witzige Kurzgeschichten z. Bsp. vom letzten Besuch im ‚Fat Duck‘, spannende Reportagen über Karibik-Bier brauende Deutsche, Apfelwein revolutionierenden Hamburger, Wein anbauende Franzosen und einen Innereien-liebenden Sternekoch bis hin zu einer Eier-(richtig)-Koch-Lehreinheit.

Wie schon erwartet, war der Artikel über Schwäbische Maultaschen von Herr Paulsen nicht nur informativ, sondern reichlich amüsant. Wer hätte gedacht, dass nicht nur Tradition und Sentiment sondern auch EU-Gremien den Umgang mit diesem Schwäbischen Kulturgut regeln? Gastronomen, seht Euch vor, die richtige Kantenlänge einzuhalten, sonst kommen womöglich Brüsseler Strafzettel statt Schwäbischer Maultaschen auf den Tisch...

Sehr berührt hat mich ein Beitrag über Menschen im Seniorenheim und deren Bezug zu - teilweise längst vergessenen - Speisen. Auch die Koch-Therapie-Stunden, um Demenz-Kranken ein Stück Gedächtnis, aber vor allem ihre Würde zu bewahren, fand ich beispielhaft und interessant darüber zu lesen.

Ziemlich verwirrt hat mich allerdings der Beitrag namens ‚Amador‘. Hier hatte ich mit Allem gerechnet, was in irgendeiner Form mit dem Avantgardisten und dessen Restaurant im Zusammenhang steht, nur nicht mit einer Mode-Fotostrecke aus besagtem Restaurant. Tja, so ist Effilee ebend - voller Überraschungen...

Das Heft enthielt trotz der Textlastigkeit (und der unvermeidlichen großflächigen Werbeanzeigen) auch die erhofften, nicht-alltäglichen Rezepte. Die meisten waren für mich persönlich nicht sooo interessant, da entweder nicht nach meinem Geschmack (Muscheln, Innereien) oder Geldbeutel (Trüffel). Auf meine Kosten kam ich aber auch in dieser Hinsicht mit den 'Gegensätze regen sich an' -Rezepten. Eine Augenweide und super-spannend, dabei nicht mal kompliziert...

Meine Kriterien für spannende Lektüre sind, dass ich diese unterhaltsam genug finde, um sie mit in die Badewanne zu nehmen (sehr subjektive Einschätzung - ich weiß) und dass Themen, die mich naturgemäß nicht interessieren dermaßen gut aufbereitet sind, dass ich Sie trotzdem mit Faszination lese. Heft Numero 3 hat beide Kriterien erfüllt...
Es war kurzweilige Badewannenlektüre und diente als willkommene Überbrückung der Wartezeiten, während denen mein Uralt-Laptop nachsann, was er zu tun gedenkt. Bis man es dann schließlich schaffte, das Heft wieder aus der Hand zu legen, hatte Laptöppchen es allerdings bereits wieder vergessen....

Selbst als überzeugte Bier-Verweigerin habe ich mit größtem Interesse den Artikel 'Bierbrauen unter Palmen' gelesen und auch die Muschel-Dreifältigkeit (Muscheln brasilinaisch, französich und friesisch) las sich flüssig, obwohl ich Muscheln bisher eher reserviert gegenüber stehe, was meinem einzigen Muschel-Ess-Versuch Marke 'aus dem Meer in den Topf und dann in den Kropf' vor einem Jahrzehnt in Neuseeland geschuldet ist...

Wer Kulinarisches nicht nur auf der Zunge mag, gern liest und sich mit Menschen, Gedanken und Visionen auseinandersetzen möchte, dabei Appetit bekommen und auch schmunzeln mag, sollte definitiv die Effilee-Printausgabe mal testen... >>>> Infos und Bestellmöglichkeit

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Comments

Freut mich sehr! (Auch dass wir uns bei der fress:publica09 mal kennen lernen!)
#1 Herr Paulsen (Homepage) on 2009-04-06 07:56 (Reply)
dito!
#1.1 multikulinaria (Homepage) on 2009-04-06 10:35 (Reply)
Bierverweigerin? Ja, warum das denn bloß? Also ich würde dich glatt mal zur slowbier Ende April ins Frankenland mitnehmen, um der Skepsis wahrhaft genussvolle Erlebnisse entgegenzusetzen.

kompottsurfer
#2 kompottsurfer (Homepage) on 2009-04-06 22:14 (Reply)
Käme vielleicht auf einen Versuch an...

Außer Berliner Weiße schmeckt mir Bier irgendwie nicht. Nicht dass ich nicht immer mal wieder probiert hätte... Vielleicht fehlt mir da irgendein entscheidendes Gen.
#2.1 multikulinaria (Homepage) on 2009-04-07 11:06 (Reply)

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