Hätte nie gedacht, dass ich eines Tages noch zur Honig-Fürsprecherin werden würde. Bisher stand ich Honig eher indifferent gegenüber, hatte es doch noch keiner der klebrigen Gelben geschafft, mich zu begeistern. Bis Montag...
Michael Pleitgen (
Weinakademie Berlin) hatte Annette von
berlinerHonig den Tipp gegeben, mich über ihr wahrlich spannendes Produkt in's Bild zu setzen. Nachdem ich schon neulich einen TV-Bericht über Großstadtbienen in München gesehen hatte, war ich sofort vom Thema begeistert. So sind wir am Montag, in den noch ausbaufähigen Räumen des jungen Unternehmens, zum Treffen mit Honig-Imbiss zusammen gekommen.
Honig ist die große Leidenschaft von Annette und ihrem Partner Jemi. Beide kommen beruflich aus anderen Ecken, sind aber am Honig sozusagen kleben geblieben...
Der Erstkontakt mit naturbelassenem Honig in ursprünglichster Form (mit Wabe) fand vor Jahren in den USA statt. Heimgekommen suchten die Beiden nach ähnlichen Produkten in Deutschland und wurden nicht fündig. Grund genug, sich selber intensiv mit der Imkerei auseinander zu setzen...
Hilfreich war, dass vielerorts die Möglichkeit besteht,
probeweise in die Imkerei hineinzuschnuppern. Man läuft über einen längeren Zeitraum mit dem Imker mit, lernt alle Handgriffe und wird im besten Fall von der Liebe zu den Bienen, der Faszination des Bienen haltens und der Leidenschaft für den Erhalt der bedrohten Honigbiene erfasst. Dass das Ganze am Ende auch noch kulinarische Vorzüge mit sich bringt, ist ein nicht zu verachtender Bonus.
Vielen Menschen ist die Problematik der Biene weitestgehend unbekannt. Man nimmt die pelzigen Insekten meist nur wahr, wenn sie friedlich summen oder (weniger friedlich) stechen. Auch wird gern vergessen, dass die Vermehrung eines Großteils Pflanzen (vor allem des lebenswichtigen Obstes und Gemüses) von den Bienen abhängig ist. Und da ist der Wurm drin. Genauer gesagt, die
Varroa-Milbe...
Ich muss zugeben, dass auch ich herzlich wenig Ahnung von Bienen habe. Deshalb gebe ich hier quasi aus 2. Hand weiter:
Leider ist das Überleben der meisten Nutzbienen wegen dieses eingeschleppten Krankheitserregers von menschlicher Fürsorge (Behandlung) abhängig. Je weniger Menschen Bienen halten, desto weniger Bienenvölker gibt es und desto weniger Pflanzen werden effektiv bestäubt.
Das Durchschnittsalter von Imkern liegt bei 60 bis 70 Jahren. Viele dieser langjährigen, treuen Bienenfreunde werden in absehbarer Zeit nicht mehr als Imker zur Verfügung stehen. Nachwuchs tut also Not. Dank bundesweiter Programme, gibt es nach jahrelanger Stagnation nun wieder wachsende Zahlen jüngerer Bienenhalter. Und ein gut Teil davon in Großstädten wie Berlin oder München...
Nun fragt man sich vielleicht, was Bienenzüchter in Großstädten wollen. Das Selbe wie die Bienen:
KEINE Pestizide und KEINE Monokulturen. In Berlin, der grünsten Großstadt Europas gibt es dagegen reichlich ungespritztes (unbehandeltes) Grün, Blütenpracht in Mischwäldern, Parks, Gärten und Balkonkästen...
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18% von Berlin besteht aus Wald. Es gibt viele Parks und Gärten (z.B. Tiergarten, Zoologischer Garten, Botanischer Garten). Es gibt 416.000 Bäume, davon sind 80.000 Linden; In Berlin leben 3.000 Bienenvölker wie im Paradies, sie werden von 500 Imkern betreut.
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Nur lohnt sich das Züchten von Bienen im großen Stil nicht, wenn es für den gewonnenen Honig keine attraktiven Absatzmöglichkeiten gibt. Und diese sind seit der Wiedervereinigung im Osten Deutschlands dramatisch weggebrochen und durch Billig-Massenimporte aus dem Nicht-EU-Ausland quasi nicht vorhanden.
Um dieser Diskrepanz ein Ende zu bereiten und das Halten von Bienen im größeren Maßstab zu fördern, gründeten Annette und Jemi
'berlinerHonig'. Sie kooperieren mit den in Berlin agierenden Imkern, prüfen die Haltungsbedingungen und Qualität des Honigs, füllen deren Honig, sowie den Honig der eigenen Bienen ab und vertreiben diesen
lokal und
online. Keine Geschmacksmodifikationen. Jedes Glas individuell. Auch gibt es erste messbare Erfolge. Einige Berliner Imker beginnen bereits, ihren Bienenbestand zu vergrößern. Super!
Mit seinen kurzen Vertriebswegen ist berlinerHonig ein lokales, hochwertiges, fair gehandeltes Produkt, dessen Namen man kennen und Geschmack man probieren sollte.
Für Anfänger, Skeptiker oder Unentschlossene gibt es kleine Probiergläschen. Wer weiß, wie gut guter Honig schmeckt, kann auch gleich die volle Dröhnung (ein Set mit Frühlingshonig, Sommerernte und Lindenblütenhonig) bestellen. Neugierige können Ausflüge zu den Bienen buchen. Alle Angebote finden sich im Olineshop von berlinerHonig.
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Schmeckt selbst eingefleischten Honigmuffeln wie mir sehr gut...
von Imker(schüler)n, Bienen und Obst
Schüler lernen Imkern
Berliner Honig - Fakten